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Ein neues Jahr am Start

Von Selbstfahrern und Selbstläufern

Ingrid Szeiler

Ingrid Szeiler, Chief Investment Officer
2018 war kein gutes Jahr an den Finanzmärkten. Fast alle Assetklassen verzeichneten Wertrückgänge und kräftige Kursschwankungen. In vielerlei Hinsicht war 2018 ein Spiegelbild des Vorjahres. Das erklärt übrigens schon einen Teil des Warum, auch wenn das manchen vielleicht zu einfach klingt. Finanzmärkte bewegen sich selten kontinuierlich in eine Richtung.

Wenn das Pendel weit genug auf eine Seite ausschlägt, schwingt es früher oder später zurück zur anderen. Das konkrete Wann, Wie und Weshalb ist natürlich jedesmal ein anderes.

Schrumpfende Liquidität

Unter den vielen marktbewegenden Faktoren des abgelaufenen Jahres möchte ich einen herausgreifen: die Notenbanken. Sie beeinflussen die weltweite Liquiditätsversorgung maßgeblich und erstmals seit rund zehn Jahren haben sie diese im Jahresverlauf reduziert. Das dürfte erheblich zu den Kursrückgängen auf breiter Front beigetragen haben. Als Reaktion auf die globale Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/2009 senkten die Notenbanken bekanntlich nicht nur die Zinsen kräftig ab, sondern kauften seither auch massiv Anleihen am Markt. Das unterstützte die Realwirtschaft und in erheblichem Maße auch die Preise fast aller Assetklassen an den Finanzmärkten. Ihre offizielle Maxime war dabei immer, diese außerordentlichen Maßnahmen eines Tages wieder weitgehend zurückzuführen. Die EZB und die japanische Notenbank sind davon noch ein ganzes Stück entfernt, aber die US-Notenbank (Fed) normalisiert ihre Geldpolitik bereits seit einiger Zeit. Sie erhöht die Zinsen und baut gleichzeitig ihre gewaltigen Anleihebestände ab. Mit diesem Abbau der Fed-Bilanz bei gleichzeitig sehr hoher Neuverschuldung der USA wird der Weltwirtschaft und den Finanzmärkten Liquidität entzogen. Einige Notenbanken in den Schwellenländern warnten im Juni vor den für sie bereits sichtbaren negativen Folgen und baten um einen weniger raschen Bilanzabbau.

Geldpolitik per Autopilot?

Bei der Fed, die natürlich in erster Linie die USA im Blick hat, sah man dafür keinen Anlass. Notenbankpräsident Powell sagte Mitte Dezember, der Bilanzabbau habe bislang keine Probleme verursacht und werde „sozusagen auf Autopilot fortgesetzt“. Er sprach zugleich sehr viel von den ökonomischen Modellen, an denen die Fed ihre Geldpolitik ausrichtet. Möglicherweise war es gerade das, was an den Märkten eine neuerliche Verkaufswelle auslöste. Die Sorge vieler Marktteilnehmer: Die Notenbank könnte vor lauter Modellen zu wenig von der wirklichen Welt wahrnehmen und zu spät „von Autopilot auf manuelle Steuerung umschalten“. Zur Erleichterung der Märkte korrigierte der Fed- Präsident seine Aussagen Anfang Jänner. Man werde auch den Bilanzabbau immer wieder überprüfen, verlautete er. Das Ganze wirft eine wichtige Frage auf: Wie weit und wie stark sollen sich Notenbanken, Regierungen und, ja, auch Investoren von Modellen leiten lassen? Deren Einsatz boomt ja förmlich.

Der Robotiktrend, wie im aktuellen infoaktiv nachzulesen, hat die Finanzbranche längst erfasst. Eine wachsende Zahl von Investmentfonds fliegt per Autopilot. Angefangen bei jenen, die stur einen Aktien- oder Anleiheindex nachbilden, bis hin zu solchen, die automatisiert hochkomplexe Strategien umsetzen.

Ein Königreich für ein passendes Modell?

Doch wie verlässlich sind Modelle? Können sie tatsächlich eine immer komplexere und immer stärker vernetzte Weltwirtschaft ausreichend erfassen, wo sich doch deren Rahmenbedingungen ständig ändern? Wie modelliert man eine Notenbankpolitik, die es so noch nie gab Oder Handelskriege und politische Turbulenzen? Lässt sich die Zukunft überhaupt sinnvoll modellieren? Auch wir setzen im Fonds- und Risikomanagement Modelle ein. Sie helfen uns beim Treffen von Entscheidungen, denn durch sie können wir beispielsweise Zusammenhänge besser verstehen oder Trends und Risikoquellen deutlicher sichtbar machen. Wir verlassen uns aber nicht auf sie und schon gar nicht geben wir unsere Entscheidungen an einen Autopiloten ab. Dafür sind bei uns Menschen zuständig, heute und auch in Zukunft. Mitarbeiter mit großer, täglich wachsender Erfahrung, mit Stärken, mit Schwächen und vor allem mit etwas, das Computern fehlt: Intuition, Überzeugung und gesundem Menschenverstand. Für mich sind das überaus wichtige Zutaten, um langfristig Mehrwert für unsere Fondsanleger und Vermögensverwaltungskunden zu schaffen. Als wir Ende November – noch bevor sich im Dezember der Ausverkauf beschleunigt hat – im Rahmen der taktischen Asset-Allocation entschieden haben, die Aktienquote zu reduzieren, geschah dies durch die Mitglieder unseres Investmentkomitees. Obwohl viele Modelle und Statistiken eher für eine Kurserholung sprachen.

Natürlich werden unsere Entscheidungen nicht immer vom Marktverlauf bestätigt. Niemand liegt stets richtig. Das gilt übrigens ganz besonders für die zu Jahresbeginn so beliebten konkreten Marktprognosen. Ich halte von solchen Vorhersagen wenig, denn auf dieser Basis lässt sich kein Fonds oder Portfolio verwalten. Wir haben selbstverständlich Vorstellungen und Meinungen darüber, was Märkte und Volkswirtschaften wahrscheinlich tun werden – kurz-, mittel- und langfristig. Und wo wir Chancen sehen, wo Risiken lauern. Wir überprüfen allerdings fortwährend, ob wir unsere Einschätzungen anpassen müssen.
2018 haben wir das zum Beispiel öfter gemacht als 2017. Und 2019? Überraschungen scheinen vorprogrammiert und einfach wird das Navigieren auch heuer nicht sein. Prinzipiell gehen wir aber mit einigem Optimismus in dieses Jahr, etwa für Aktien und bestimmte Anleiheklassen sowie Rohstoffe. Sowohl von Intuition und Erfahrung getragen als auch, unter anderem, von Bewertungsmodellen.

In diesem Sinne: auf ein gutes, erfolgreiches und – für uns Menschen am wichtigsten – gesundes 2019!

Tipp:  Weitere interessante Beiträge im aktuellen infoaktiv lesen sie HIER!

Einschätzungen und Positionierungen stellen eine Momentaufnahme dar und können sich jederzeit und ohne Ankündigung ändern. Sie sind keine Prognose für die künftige Entwicklung der Finanzmärkte oder von Fonds.

Das ist eine Marketingmitteilung der Raiffeisen KAG. Stand: Jänner 2019

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