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Ingrid Szeiler CIO von Raiffeisen Capital Management

Aktuelles zu den Märkten

Kapitalmarktkommentar von Ingrid Szeiler,
Chief Investment Officer der Raiffeisen KAG

Das erste Quartal 2018 brachte Rückgänge an den meisten Aktienmärkten. Für das Vierteljahr ist die Korrektur zwar moderat ausgefallen (S&P 500: -1,2 %, EuroStoxx -3,0 %), zwischenzeitlich gab es aber massive Schwankungen. Auch der Dollar, Unternehmensanleihen und Rohstoffe haben an Wert verloren. Lediglich Euro-Staatsanleihen konnten in den ersten drei Monaten des Jahres eine positive Wertentwicklung abliefern.

Als Auslöser für die Korrektur im Februar, von der global viele Börsen betroffen waren, werden Inflationsängste und steigende Zinsen genannt. Diese Begründungen halten einer näheren Analyse jedoch nicht Stand. Viel wahrscheinlicher liegt die Ursache für den Rückschlag in einer zuvor übermäßig optimistischen Stimmung mit entsprechendem Anlegerverhalten. Schön abzulesen ist dies etwa an einigen Internetaktien, die allein in den ersten Tagen des Jahres um bis zu 50 % gestiegen sind. Der Markt ist also heiß gelaufen und brauchte eine Abkühlung. Mit einem Rückgang der Aktienkurse von durchschnittlich rund 10 %, einer Normalisierung des VIX-Index sowie diverser Stimmungsindikatoren ist diese Abkühlung zweifellos eingetreten.

Einen völlig anderen Hintergrund hatte der jüngste Kurssturz an der Moskauer Börse: Hier war nicht (mehr) Abkühlung das Thema, sondern die vom Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums verhängten Sanktionen, gegen einzelne Unternehmen, denen enge Verbindungen zum Kreml nachgesagt werden. Der Aktienindex RTS brach Anfang der Woche zwischenzeitlich um rund 12 % ein. Als Grund für die bislang einzigartigen Maßnahmen (Handelsverbot von Aktien zweier russischer Firmen in den USA) wurde das „wachsende Muster bösartiger Aktivitäten Russlands in der Welt" genannt.

In diesem Sog nach unten wurden auch russische Titel mitgerissen, die von den Sanktionen selbst gar nicht betroffen waren, ebenso wie die Aktien von russischen Unternehmen, die an ausländischen Börsen notiert sind, oder deren Hauptaktionäre einen starken Russlandbezug aufweisen. Auch andere internationale Firmen, die ihren Hauptsitz nicht in Russland haben, dort aber wirtschaftlich aktiv sind, waren von dem starken Einbruch betroffen. Darunter auch die Raiffeisen Bank International, die aktuell davon ausgeht, dass die Sanktionen nur minimale Auswirkungen auf die RBI-Gruppe haben werden.

Der mittelfristige Ausblick bleibt dennoch unverändert positiv, was vor allem durch die weiterhin guten Fundamentaldaten begründet wird. Folgerichtig sind die nunmehr tieferen Kurse an vielen Börsen eine gute Gelegenheit, um Aktien zuzukaufen. Die Raiffeisen KAG hat daher die Übergewichtung von Aktien weiter erhöht. Die Spätphase des Zyklus, in der sich die Märkte befinden, wird zweifellos noch Ertragschancen bringen. Die Schwankungen werden jedoch hoch bleiben, weil es immer wieder auch Enttäuschungen hinsichtlich der Daten geben wird und bald auch der wahrscheinliche Zeitpunkt des nächsten Konjunkturabschwungs diskutiert werden wird.

Staatsanleihen: Angst vor trumpschem Handelskrieg
Die guten Wirtschaftsdaten lassen bei den Marktteilnehmern auch den Inflationsausblick steigen. Entsprechend werden restriktivere Zentralbankenentscheidungen befürchtet. Das führt – insbesondere in den USA – zu einem Ansteigen der kurzfristigen Zinsen. Zusammen mit der Angst vor einem trumpschen Handelskrieg führte das allerdings zu einem Drehen des Risiko-Sentiments und zum Absinken der Renditen länger laufender Staatsanleihen. Der US-Dollar konnte davon bislang nicht nachthaltig profitieren. Schwellenländer-Anleihen zeigen sich – abgesehen von der Türkei und Russland, das auf die US-Sanktionen negativ reagiert hat, – robust, obwohl gerade sie teilweise im Fokus der Handelserschwernisse liegen.

Unternehmensanleihen: deutliche Ausweitung der Risikoaufschläge
Seit Februar blieben die absoluten Renditen von Unternehmensanleihen unterschiedlicher Bonitäten und Märkte trotz Turbulenzen stabil. Da allerdings jene der "sicheren" Staatsanleihen deutlich einliefen, kam es zu einer signifikanten Ausweitung der Risikoaufschläge. In Europa bringt das deutlich kommunizierte Ende des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank viele Marktteilnehmer zum Nachdenken. Die starken Zuflüsse der letzten Jahre bergen angesichts dieser Entwicklung insbesondere für High Yield-Anleihen die Gefahr einer Umkehr in sich.

Aktien Entwickelte Märkte: höhere Marktvolatilität aufgrund von Unsicherheitsfaktoren
Die entwickelten Aktienmärkte präsentierten sich im März leicht schwächer. Für Belastung sorgte dabei ein breiter Mix an Themen (z. B. aufkeimende Ängste vor einem globalen Handelskrieg, Liquiditätsrückführung durch die Notenbanken bis hin zum Thema Datensicherheit im Technologiebereich). Diese Unsicherheitsfaktoren spiegeln sich in einer höheren Marktvolatilität wider. Das fundamentale Umfeld (Konjunkturumfeld und Ausblick für Unternehmensgewinne) präsentiert sich aber nach wie vor positiv. Wir sehen den mittelfristigen Aufwärtstrend der Aktienmärkte daher weiterhin intakt und erwarten steigende Kurse in den nächsten Monaten.

Aktien Emerging Markets: Osteuropa mit niedrigsten Bewertungen
Absolut betrachtet, waren Emerging Markets Aktien im ersten Quartal deutlich unter Druck. Interessant war dabei, dass nicht – wie sonst üblich in derartigen Phasen – eine Underperformance feststellbar war, sondern ganz im Gegenteil bleibt die starke relative Entwicklung weiter intakt. Die Bewertung in den verschiedenen Regionen ist zwar angestiegen, bleibt aber im Vergleich etwa zum US-Aktienmarkt weiterhin verhalten. Mit größtem Abstand die niedrigste Bewertung ist dabei in der Region Osteuropa zu finden, was wohl mit der politischen Unsicherheit – Stichwort: Russland – zusammenhängt.

Schlussbemerkung:
Auch wenn Russland innerhalb der Region Osteuropa natürlich von sehr großer Bedeutung ist, so spielt das Land in globalen Schwellenländer-Portfolios, wo u.a. auch China, Indien und lateinamerikanische Länder vertreten sind, keine zentrale Rolle. Ein kurzfristiger Einbruch kann daher im Normalfall auch wieder weggesteckt werden. Die Unsicherheit besteht allerdings darin, dass nicht absehbar ist, ob seitens der USA weitere ähnlich geartete Maßnahmen folgen werden. Die jüngsten Ereignisse zeigen jedenfalls wieder einmal sehr deutlich, wie wichtig das Thema Diversifikation beim Veranlagen ist. Die noch vor wenigen Monaten aufgrund geringer Profitabilität eher gering geschätzten Euro-Staatsanleihen, haben zuletzt in vielen Portfolios zu einer positiven Wertentwicklung beigetragen.

 

 

märkteunteruns im April  – Facts & figures: die Märkte aus Sicht der Raiffeisen KAG

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Einschätzungen und Positionierungen stellen eine Momentaufnahme dar und können sich jederzeit und ohne Ankündigung ändern. Sie sind keine Prognose für die künftige Entwicklung der Finanzmärkte oder für die Fonds der Raiffeisen KAG.

Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage GmbH oder kurz Raiffeisen KAG. Stand: April 2018

 

 

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