Strobl und Schnabl

„Fonds haben eine große Zukunft vor sich“

Nachhaltigkeit
Anlässlich des Weltfondstags haben wir Johann Strobl, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Bank International AG, und Rainer Schnabl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Raiffeisen KAG, zu den Business- und Wirkungsmöglichkeiten nachhaltiger Finanzprodukte befragt.

 

Die RBI hat im Jänner 2021 als erste österreichische Bank die UN Principles for Responsible Banking unterzeichnet. Was war ausschlaggebend dafür, sich zu den Grundsätzen zu bekennen?

Johann Strobl: Wenn man die Geschichte und Grundhaltung von Raiffeisen kennt, zweifelt wohl niemand daran, dass dies unserer Einstellung entspricht. Wenn man sich aber zu ausformulierten Prinzipien bekennt und diese unterschreibt, dann kann man dazu befragt und auch zur Verantwortung gezogen werden. Dies verstärkt die Klarheit der Ausrichtung – es ist die Ausformulierung eines vorhandenen Commitments.

 

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in kommerzieller Hinsicht für die RBI?

Johann Strobl: Als Bank und Kreditgeber – insbesondere als Bank, die wie wir so breit engagiert ist – ist Nachhaltigkeit grundsätzlich die Basis und es gibt größtes Interesse, dass sich ein Wirtschaftsraum nachhaltig entwickeln kann. Nun entsteht in den Bereichen Klimaschutz und der Dekarbonisierung ein Regelwerk und es gibt eine große und anhaltende Veränderung. Als Bank geht es darum, diese Veränderungen gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden erfolgreich zu bewältigen. Hier können wir eine Vorreiterrolle spielen.

Aber auch im klassischen Bankgeschäft sind wir im nachhaltigen Bereich erfolgreich. Das Interesse vieler Unternehmen an Themen wie grünen Anleihen ist groß. Das ist ein Schwerpunkt, der gut sichtbar ist. Als Bank können wir die gemeinsamen Interessen der Unternehmen und auch der Öffentlichkeit unterstützen. Das lässt sich aus den vielen Emissionen, die uns gelungen sind, gut zeigen. Wir haben auch mehrere Green Bonds begeben, um sichtbar zu machen, wie wichtig uns Nachhaltigkeit ist. Wir haben gleichzeitig auch festgestellt, dass dies das Funding unterstützt. Wir sprechen so neue Interessenten an, die vorher die RBI nicht am Radar hatten, aber nach grünen Veranlagungen gesucht haben. Dies ist eine gute Erfahrung, die zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

 

Die Raiffeisen KAG hat schon vor Jahren begonnen, ESG*-Kriterien in ihren Investmentprozess zu integrieren. Welchen wirtschaftlichen Erfolg hat diese Entscheidung gebracht?

Rainer Schnabl: Wir haben bereits 2013 die UN PRI – die Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren der Vereinten Nationen – als eine der ersten Fondsgesellschaften Österreichs unterzeichnet. Dieser Schritt wurde in den ersten Jahren im Haus durchaus kontroversiell diskutiert, da damals manche dieser Anlagen schwächer performt haben. Heute sind nachhaltige Investments aus der Veranlagungs- und Finanzindustrie und ihren Strategien nicht mehr wegzudenken. Wenn man den wirtschaftlichen Erfolg in veranlagtem Geld misst, so hat sich dieser in der Raiffeisen KAG seit damals von rund 27 Milliarden Euro auf über 40 Milliarden Euro erhöht. Wir sehen klar, welche Produkte das Volumen gebracht haben – und das waren Fonds mit nachhaltigen Strategien. Es gehen aber auch immer mehr Unternehmen verantwortungsvoll mit ihren Ressourcen um, und eine entsprechende Governance macht auch die Unternehmen erfolgreich.

 

Lassen sich mit verantwortungsvollen Investments neue Kundenschichten gewinnen?

Rainer Schnabl: Primär geht es bei einer Veranlagung immer um die Rendite. Aber es gibt auch Kundengruppen, die dem Kapitalmarkt kritisch gegenüberstehen. Hier können Argumente wie Nachhaltigkeit – nicht nur in Umweltfragen, sondern auch darüber hinaus – entscheidend sein, vielleicht doch einmal in einen Fonds zu investieren. Den Anlegerinnen und Anlegern geht es bei einem Investment in nachhaltig agierende Unternehmen und Staaten auch darum, geringere Risiken einzugehen, da die Risikoanalyse bei derartigen Geldanlagen in der Regel noch mehr in die Tiefe geht. Vor allem die jüngeren Generationen bis 40 reflektieren sehr stark auf das Thema Nachhaltigkeit. Es ist für viele inzwischen im gesamten Lebensumfeld wesentlich geworden.

 

Mittlerweile bieten die allermeisten Fondsgesellschaften nachhaltige Investmentprodukte an. Wie kann man sich als Anbieter vom Mitbewerb unterscheiden?

Rainer Schnabl: Es wird künftig gar keine Entscheidung mehr zwischen nachhaltigen und konventionellen Fondsanbietern geben, da der Trend eindeutig in Richtung nachhaltige Produkte geht. Den Nachhaltigkeitsansatz der Raiffeisen KAG macht aus, dass wir strengen ESG*- Kriterien entsprechen und unsere Entscheidungen durch eigene Research- und Engagementaktivitäten absichern. Das bedeutet für uns auch, dass wir nicht nur bestimmte Themen ausschließen, sondern darauf fokussieren, Unternehmen in ihrer nachhaltigen Transformation zu begleiten. Das ist der richtige Zugang für uns. Wir teilen nicht ein in gut oder schlecht, sondern unterstützen die Entwicklung der Unternehmen und machen das vor allem auch transparent. Und das findet bei unseren Kundinnen und Kunden Anklang.

 

Kapitalmarktveranlagungen haben viele Jahre eine untergeordnete Rolle beim Anlageverhalten der Österreicherinnen und Österreicher gespielt. Ändert sich das, nach mehr als 10 Jahren Niedrigzinsumfeld, gerade? Werden Fondsinvestments massentauglich?

Rainer Schnabl: Fondsinvestments sind ein passendes Anlageprodukt, um dem Niedrigzinsumfeld zu begegnen. Covid-19 hat dafür gesorgt, dass sich Zinsfantasien gar nicht erst entwickelt können. Die Niedrigzinsphase wird also noch anhalten, und das spiegelt sich auch in unserem Geschäft wider. Immer mehr Menschen bringen Teile ihrer Vermögen in Kapitalmarktveranlagungen ein. Fonds spielen hier eine wichtige Rolle, da sie breit streuen. Darüber hinaus bieten Fonds unterschiedliche Möglichkeiten zu investieren: vom einmaligen Investment bis hin zum regelmäßigen Fondssparen. Allein in Österreich verwaltet die Raiffeisen KAG mehr als 400.000 Fondsspar-Verträge und diese Zahl wächst dynamisch, gerade bei nachhaltigen Produkten. Das Thema ist aber auch für institutionelle und professionelle Investoren interessant, die mit negativen Zinsen konfrontiert sind und denen sich hier eine alternative Anlagemöglichkeit bietet.

Johann Strobl: Für Kunden, die eine Rendite haben wollen und dabei auch bereit sind, die Kapitalmarktrisiken in Kauf zu nehmen, ist in den meisten Fällen ein Fondsprodukt eine sehr gute Wahl. Nur wenige Anlegerinnen und Anleger wollen laufend selbst ihre Anlageentscheidungen treffen. Im Gegenteil, sie wollen ihre Zeit anders verwenden und da sind Fonds eine komfortable Lösung.

 

Der Finanzwirtschaft kommt im Rahmen des Green Deals der EU eine enorme Bedeutung zu. Wie beteiligt sich die RBI am Green Deal?

Johann Strobl: Die EU-Taxonomie für nachhaltige Investments ist aufwendig, aber wichtig, weil so Klarheit geschaffen wird und alle Beteiligten sich daran orientieren können. Sie schafft eine neue Sprache und Sicherheit. Kunden müssen vertrauen können, dass dort, wo grün draufsteht, auch grün drinnen ist. Dieser Transformationsprozess und der langfristige Ausstieg aus fossilen Brennstoffen sind für alle eine Notwendigkeit und wir und die Kundinnen und Kunden müssen uns darauf einstellen. Ähnlich wie bei Fonds sind Kredite hier einem zusätzlichen Rating zu unterziehen und hier sind wir auch dabei. Das ist ein guter Weg, um das mit Kunden zu besprechen und diese zu unterstützen. Diese Umstellung ist ein Aufwand, aber das läuft bei der RBI bereits seit zwei Jahren und hat alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfasst. Wir sind auf einem guten Weg.

 

Was kann Fondssparen zur Erreichung der Klimaziele beitragen?

Rainer Schnabl: Es liegt auf der Hand, wieso der Finanzsektor als Vorreiter bei der Erreichung der Klimaziele im Fokus steht: Kapital hat großen Einfluss auf die Entwicklung von Unternehmen. Mit meinem Investment kann ich Unternehmen und Staaten unterstützen, nachhaltiger zu wirtschaften und so mittelbar Einfluss auf das Erreichen der Klimaziele nehmen. Damit gelingt es uns auch, neue Kundenschichten zu erschließen, denn Kundinnen und Kunden haben erstmals das Gefühl, nicht nur renditeorientiert zu agieren, sondern parallel auch etwas zu bewirken, in dem man beispielsweise auf Hauptversammlungen Stimmrechte wahrnimmt – oder diese stellvertretend von der Fondsgesellschaft wahrnehmen lässt. So kann man auch als Fondssparer über den Weg des Fondsinvestments Wirkung erzielen. Die Raiffeisen KAG hat mit insgesamt mehr als 40 Milliarden Euro an verwaltetem Kapital einen starken Hebel. Sie entscheidet, wo sie wie viel Geld investiert. Diese Investments werden dann an Kundinnen und Kunden kommuniziert, denn auch Transparenz ist ein wichtiger Aspekt von Nachhaltigkeit.

 

Heute ist Weltfondstag. Wie schätzen Sie die lange Entwicklung von Fondsinvestments ein…wo befinden wir uns auf dem Weg?

Rainer Schnabl: Das staatliche Pensionssystem steht stark unter Druck. Wer künftig den gewohnten Lebensstandard erhalten will, wird auch eigenständig vorsorgen müssen, wie etwa mit Fonds. Über einen Fondssparplan kann man bereits ab 50 Euro im Monat an den Möglichkeiten der Kapitalmärkte partizipieren. Es geht hier vor allem auch um Langfristigkeit, einen langfristigen Vermögensaufbau, und nicht darum, kurzfristig ein- und auszusteigen. Ich bin überzeugt: Fonds und Fondssparpläne haben eine noch größere Zukunft vor sich. Wir sind erst in der Mitte des Weges. Marktdaten machen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern deutlich und zeigen außerdem, dass es noch großes Potenzial gibt. Dieses Potenzial wird zusätzlich vom Green-Deal der EU befeuert.

Johann Strobl: Die Perspektive, dass jeder Mensch an langfristiger Entwicklung teilnehmen kann – das ist die Geschichte von Raiffeisen. Fonds sind am besten dazu geeignet, um alle Bevölkerungskreise einzubeziehen und deswegen werden diese eine lange Zukunft haben.

 

Lesen Sie das Originalinterview im Kurier Extra vom 19. April 2021

 

* Environment, Social, Governance (Umwelt, Gesellschaft, Unternehmensführung)
Fotocredits: Martin Hörmandinger und Pia Morpurgo

Marketingmitteilung der Raiffeisen KAG. Stand: 04/2021.

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