Chinas Vision für 2024: ehrgeizige Wachstumsziele im Blick

Die reguläre Sitzung des chinesischen Parlaments war die letzte Möglichkeit für die Pekinger Führung, sich zu den wirtschaftlichen Zielen des bereits laufenden Jahres zu äußern und sie tat es. 5 % lautet das durchaus ambitionierte Wachstumsziel für 2024. Man will bestimmte Bereiche der Wirtschaft stärker für ausländische Interessent:innen öffnen, den Binnenkonsum stärken und den Wirtschaftsumbau beschleunigen. Die traditionelle Pressekonferenz des Premierministers wurde diesmal allerdings erstmals seit Jahrzehnten gestrichen, was viele als einen Hinweis darauf werten, dass die Parteiführung unliebsame Fragen fürchtete.

Binnenkonsum soll gestärkt werden

Zu diesen hätte vermutlich gehört, wie genau die Regierung den Binnenkonsum stärken will, wenn die Durchschnittseinkommen weiterhin vergleichsweise niedrig sind und Peking unwillig ist (und bleibt), massiv Geld in die Taschen der Konsument:innen zu schaufeln. Das gilt umso mehr, als der Immobiliensektor diesbezüglich weiterhin als großer Bremsklotz fungiert. In einigen Punkten zeigte sich Ministerpräsident Li Qiang aber durchaus auskunftsfreudig. Beispielsweise sollen Investitionen, Produktion und Exporte in Zukunftsbranchen, wie Solar, Elektrofahrzeuge und Batterietechnik zumindest einen Teil der Wachstumslücke füllen, die der schwache Immobilien- und Bausektor derzeit aufreißen. Und hier gibt es tatsächlich starkes Wachstum: China ist binnen weniger Jahre vom größten Autoproduzenten und größten Autoabsatzmarkt auch zum größten Autoexporteur aufgestiegen. Bei Solarpanelen ist China nahezu Monopolist mit rund 80 % Marktanteil, nachdem es vor wenigen Jahren noch 40 % waren. Vermutlich wird man auch bei Batterien sehr rasch eine dominante Marktposition erlangen.

Auslandsinteresse bleibt hoch

Zuweilen ist zu lesen, dass China stark an Attraktivität für ausländische Direktinvestitionen verloren habe, aber dies wird von den Zahlen nicht bestätigt. Zwar zeigt sich ein signifikanter Rückgang von Investitionen US-amerikanischer Unternehmen, dafür fließen aber aus Europa, Asien und Australien sogar höhere Summen in Projekte in China. Raum für Wachstum und auch Bedarf für das Engagement chinesischer wie auch ausländischer Investor:innen bietet zudem Chinas demografischer Wandel. Gesundheitswesen und Pflegebereich werden auf viele Jahre hinaus stark wachsen (müssen), wenn Chinas Staat seine sozialen Zusagen und Ansprüche erfüllen will, wovon auszugehen ist.

Bodenbildung bei den Aktienkursen?

Chinas Aktienbörsen erholten sich im Februar kräftig nach den Kursverlusten vom Dezember und Jänner. Die A-Aktien in Shanghai legten im Durchschnitt um rund 8 % zu, die H-Aktien in Hongkong sogar um über 9 %. Dabei halfen zum Teil staatliche und regulatorische Anstrengungen, die weitere Kursverluste bremsen bzw. verhindern sollten. Solche staatlichen Stützungsmaßnahmen können aber bestenfalls kurzzeitig wirken. Für eine nachhaltige Stabilisierung der Aktienkurse und einen neuen Aufschwung braucht es einen sichtbare Trendwende nach oben bei den Unternehmensgewinnen und eine Rückkehr des Vertrauens der Investor:innen in den Markt. Beides dürfte nur über längere Zeiträume erreichbar sein. Zugleich wirken die Bewertungen in etlichen Marktsektoren inzwischen langfristig „ausgebombt“ und attraktiv, auch im internationalen Vergleich. Zur Illustration: die „magischen Sieben“ des US-Aktienmarktes (Apple, Nvidia, Microsoft, Meta, Google, Amazon und Tesla) sind derzeit in etwa so viel an der Börse wert, wie alle Aktien chinesischer Unternehmen in Hongkong und auf dem Festland zusammen.

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