CE3-Staaten: Finanzhilfen, Zinssenkungen und politische Spannungen im Fokus

Polen: Geldregen aus der EU im Anmarsch

Bereits wenige Monate nach Amtsantritt kann der neue polnische Ministerpräsident Donald Tusk einen großen Erfolg verbuchen und ein zentrales Wahlversprechen einlösen: Die EU-Kommission ist so zufrieden mit den Fortschritten Polens bei der Wiederherstellung von Rechtsstaatlichkeit, dass sie bislang zurückgehaltene Finanzhilfen im Umfang von 137 Milliarden Euro freigeben wird. Enthalten sind darin rund 60 Milliarden Euro aus dem Corona-Hilfsfonds der EU. Weitere gut 76,5 Milliarden Euro kommen aus dem Kohäsionsfonds, mit dem der Lebensstandard unter den 27 EU-Staaten angeglichen werden soll.

Der Geldregen dürfte Polens Wirtschaft einen kräftigen Schub geben. Die Stimmung im Unternehmenssektor hat sich zuletzt aufgehellt und das Wirtschaftswachstum zeigt leichte Belebungstendenzen. Die polnische Notenbank ließ den Leitzins unterdessen unverändert bei 5,75 %. In den kommenden Monaten könnte die Inflation wieder etwas anziehen, da bestimmte Preisdeckelungen und vorübergehende Steuersenkungen dann auslaufen. Der Aktienmarkt in Warschau war im Februar der stärkste der Region. Der Index der 20 wichtigsten polnischen Aktien kletterte um rund 6 % nach oben.

Tschechien: Notenbank deutet rasch fallende Zinsen an

Tschechiens Notenbank hatte Anfang Februar den Leitzins überraschend kräftig um 0,50 % auf 6,25 % gesenkt Die Inflationsrate fiel im Jänner stark auf 2,3 % p. a., von fast 7 % p. a. im Dezember. Notenbankchef Michl erwartet angesichts der stark gesunkenen Teuerung kräftig fallende Zinssätze im Jahresverlauf. Damit könnte sich auch das tschechische Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen beleben. Die Ratingagentur Fitch hob unterdessen den Ausblick für Tschechiens Kreditwürdigkeit von „negativ“ auf „stabil“ an.

Tschechien treibt derweil den Bau von vier neuen Atomreaktoren voran. Man hole derzeit Angebote interessierter Unternehmen ein. Ob am Ende wirklich vier neue Atommeiler gebaut werden, sei aber noch nicht entschieden. Der Aktienindex in Prag schloss Ende Februar fast unverändert gegenüber dem Stand von Ende Jänner.

Ungarn: Konflikt zwischen Notenbank und Regierung?

Ungarns Notenbank hat den Leitzins neuerlich kräftig gesenkt, um einen vollen Prozentpunkt von 10 % auf 9 %. Davor hatte sie mehrere Zinssenkungen um jeweils 0,75 % vorgenommen. Mit den Zinssenkungen soll die Wirtschaft wieder etwas angekurbelt werden. Zugleich äußerte Notenbankgouverneur Matolcsy laut Medienberichten harsche Kritik am geplanten Notenbankgesetz der Regierung Orban. Es sei ein massiver Angriff auf die Unabhängigkeit der Zentralbank. Auch die Wirtschaftspolitik der Regierung nahm er ins Visier. Es habe diesbezüglich seit 2021 eine markante Kursänderung gegeben. Die konsumorientierte Wirtschaftspolitik sei aber zum Scheitern verurteilt; nötig sei eine Rückkehr zu einer Politik, die auf Investitionen abzielt.

Die Notenbank relativierte später jedoch die entsprechenden Medienberichte und nannte Teile davon „wahrheitswidrig“. Der Notenbankchef und Premier Orban hätten eine unverändert faire, respektvolle Arbeitsatmosphäre mit regelmäßigen Konsultationen. Der Aktienindex in Budapest legte im Februar erneut etwas zu (+ 3 %) und markierte neue Rekordhochs.

Mehr zur Entwicklung der Emerging Markets
Mehr zu Emerging-Markets-Fonds

Dieser Inhalt ist nur für institutionelle Anlegerinnen und Anleger vorgesehen.

Zu unseren Themen