Andere hingegen sind überzeugt, dass die inzwischen weit über 10.000 verschiedenen digitalen Münzen oder Tokens* eine gigantische Spekulationsblase sind. Dabei werden oft Analogien zur Spekulationsblase der Internetaktien 1999/2000 oder der berühmten Tulpenzwiebel-Manie in den Niederlanden im 17. Jahrhundert gezogen. Das Rückgrat nahezu aller Kryptowährungen ist die sogenannte Blockchain-Technologie. Während die Diskussion über den Wert, Sinn und Nachhaltigkeit von Kryptowährungen wohl noch für längere Zeit die Gemüter erhitzen wird, besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Blockchain unabhängig davon ein enormes wirtschaftliches Potenzial birgt. Denn Kryptowährungen sind nur eine von vielen möglichen Anwendungen dieser bahnbrechenden Technologie.

Was macht die Blockchain so besonders?

Stark vereinfacht handelt es sich bei einer Blockchain um eine verteilte und mit Verschlüsselungstechnologien gesicherte, vollständig automatisierte Datenbank. Im Gegensatz zu einer zentralisierten Datenbank, wie sie beispielsweise in Rechenzentren von Banken oder Kreditkartenunternehmen bestehen, existiert die Blockchain auf hunderten oder gar vielen tausend Computern (den sogenannten Nodes) gleichzeitig. Auf allen diesen mit dem System verbundenen Rechnern werden alle neuen Transaktionen oder Informationen in Echtzeit aufgezeichnet und gespeichert. Neue Einträge werden in Blöcken zusammengefasst und erst wirksam, wenn ein gesamter Block abgeschlossen wurde und von der Mehrheit der beteiligten Computer bestätigt worden ist. Die Blockchain ist nichts anderes als die lückenlose Kette dieser Blöcke, die alle Transaktionen oder Informationen enthält, die jemals getätigt bzw. erfasst wurden. Eine rückwirkende Änderung eines Eintrags ist kaum möglich. Sie erfolgt entweder gar nicht oder nur in absoluten Ausnahmefällen und kann auch dann nur stattfinden, wenn eine entsprechende Mehrheit der beteiligten Nodes dem zustimmt.

Die sich daraus ergebenden Vor- und Nachteile sind überaus weitreichend.

Manipulierte Transaktionen unterzubringen (zum Beispiel mit demselben Kryptocoin mehrfach zu bezahlen) oder bereits getätigte Einträge rückgängig zu machen, ist außerordentlich schwer, weil dazu die Mehrzahl der kontrollierenden Computer gehackt werden müsste und das zeitgleich! In Kombination mit Verschlüsselungstechnologien bedeutet dies, dass die Nutzer darauf vertrauen können, dass die Einträge nicht manipuliert werden können und korrekt sowie endgültig sind. Die automatisierten Abläufe verringern im Vergleich zu Systemen mit menschlichen Eingriffen Fehlerquellen, verkürzen Transaktionszeiten und reduzieren Kosten. Eine Kehrseite dessen ist, dass beispielsweise eine irrtümlich getätigte Transaktion (z. B. das Überweisen von Kryptowährung an einen falschen Adressaten) im Normalfall auch nicht rückgängig zu machen ist.

Die hohe Manipulationssicherheit der Blockchain-Technologie bietet unzählige Möglichkeiten.

Das Potenzial reicht weit über die Verwendung als Zahlungsmittel hinaus und ist jenseits dessen möglicherweise sogar sehr viel größer. Mit Hilfe von Smart Contracts* kann beispielsweise fast jeder Vermögenswert (Aktien, Immobilien, Währungen, Anleihen etc.) „hinterlegt“ und so programmiert werden, dass beim Erreichen eines bestimmten Ereignisses vollständig automatisierte Folgeaktionen ausgelöst werden. Dadurch können Prozesse automatisiert und weitgehend fälschungs- und manipulationssicher gestaltet werden, die bislang manuelles Eingreifen erfordern, beispielsweise die Übergabe eines Vermögenswerts bei erfolgter Bezahlung oder die Rückgabe eines Vermögenswerts an den Eigentümer, wenn die Bezahlung nicht erfolgt ist. Grundstücksverkäufe könnten dann zum Beispiel ohne notarielle Beglaubigung auskommen und automatisch im Grundbuch eingetragen werden. Andere Anwendungsmöglichkeiten wären beispielsweise fälschungssichere Eintrittskarten, die nicht auf dem Schwarzmarkt weiterveräußert werden können.

Ein weiteres großes Anwendungsgebiet wären nicht manipulierbare Herkunfts- oder Echtheitsnachweise für Produkte aller Art, einschließlich der jederzeitigen Verfolgbarkeit und Transparenz von Waren- oder Geldströmen (Stichwort Lieferketten-Management, Korruptionsbekämpfung). Die Bandbreite an Anwendungen ist schier endlos. Auch das Internet der 3. Generation (Web 3.0) oder zensurresistente Informationsportale könnten in hohem Maße auf Blockchain-Technologien basieren.

Auch diese Technologie hat selbstverständlich gewisse Grenzen. Sie ist auch nicht frei von den üblichen Problemen, die Software aller Art mit sich bringt (Stichwort fehlerhafte Programmierung zum Beispiel von Smart Contracts) und sie ist in der Handhabung nicht immer ganz unproblematisch. Ähnlich wie beim „magischen Dreieck der Vermögensveranlagung“ (Liquidität, Sicherheit, Rentabilität) gibt es auch bei der Blockchain ein magisches Dreieck aus Sicherheit, Skalierbarkeit und Dezentralität. Je stärker eine Blockchain dezentralisiert ist, umso sicherer ist sie, aber das geht auf Kosten von Geschwindigkeit und der Zahl an Transaktionen pro Zeiteinheit. Mit innovativen Lösungen bei Programmierung und Hardware hat es diesbezüglich jedoch schon enorme Fortschritte gegeben. Viele Anwendungen brauchen auch gar keine Maximierung aller Komponenten gleichzeitig, sondern beispielsweise vor allem eine hohe Transaktionsbandbreite oder eine besonders hohe Sicherheit, während die Geschwindigkeit vielleicht zweitrangig ist.

Blockchain im Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien

Um an der Blockchain-Technologie teilhaben zu können, stehen verschiedene Möglichkeiten offen, ohne dass man dafür eine Kryptowährung kaufen muss. Kryptowährungen stellen nur eine von sehr vielen möglichen Anwendungen dar. Nahezu jeder Technologieriese und jedes Finanzinstitut hat bereits damit begonnen, Blockchain-Technologien zu entwickeln oder darin zu investieren. Experten erwarten, dass die weltweiten Gesamtausgaben für Blockchain-Lösungen in den nächsten Jahren stark ansteigen werden. Das renommierte, international tätige Marktforschungsinstitut IDC (International Data Corporation) prognostiziert bis 2024 einen Anstieg auf fast 19 Milliarden Dollar bei den globalen Investitionen in Blockchain.

Im Portfolio des Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien befinden sich Unternehmen wie Cisco und SAP, welche beim „Hyperledger-Projekt“ (unter Federführung von IBM) mitwirken. Ziel dabei ist, ein modulares Blockchain-Rahmenwerk zu entwickeln, welches als Grundlage für die Entwicklung von Unternehmensanwendungen und Branchenlösungen gedacht ist und durch „Plug-and-Play“-Komponenten eine Vielzahl von Anwendungsfällen unterstützen soll.

Kontinuierliche Marktbeobachtung im Fondsmanagement

Die Blockchain hat das große Potenzial, unsere Gesellschaft nachhaltig zu verändern. Wer hier frühzeitig auf die richtigen Unternehmen und Technologien setzt, kann gutes Ertragspotenzial erschließen. Die Kryptowährungen, mit denen die meisten die Blockchain verbinden, stellen dabei nur einen (kleinen) Teil möglicher Anwendungen dar. Wie jede neue Technologie gehen auch die vielfältigen Blockchain-Anwendungen selbstverständlich mit erheblichen technischen und regulatorischen Unwägbarkeiten und Risiken einher, in erster Linie typische Softwareprobleme, wie etwa fehlerhafte Programmierungen und das Potenzial für Hacking, aber auch bewusste betrügerische Anwendungen (speziell bei Kryptocoins und NFTs*), mögliche Risiken für das Finanzsystem bis hin zu Energieverbrauch und Nachhaltigkeit. Die Liste potenzieller Risiken ist auf den ersten Blick umfangreich, widerspiegelt aber nicht zuletzt die enorme Bandbreite möglicher Anwendungen. Viele der nur grob umrissenen Risiken sind daher auch nur für jeweils ganz bestimmte Anwendungen der Blockchain relevant. Bei einem derart jungen, dynamischen und von tausenden Unternehmen verfolgten Trend, kann es zugleich jederzeit zu technologischen Führungswechseln oder bahnbrechenden Neuerungen kommen. Gleichzeitig können Marktführer ihre bisherigen Spitzenpositionen auch schnell wieder verlieren. Als Investor steht man hier vor großem Ertragspotenzial, das jedoch mit ebenso großen Risiken verbunden ist. Daher sind eine gute Unternehmensauswahl und eine ständige sorgfältige Beobachtung des Marktes durch das Fondsmanagement hier ganz besonders wichtig.

*) Erläuterungen:

  • Kryptowährungen oder Tokens sind digitale Vermögenswerte, die auch als Tauschmittel fungieren.

  • Ein Smart Contract ist ein Vertrag auf Software-Basis, bei dem unterschiedlichste Vertragsbedingungen hinterlegt werden können.

  • NFT steht für „Non-Fungible Token“ (dt. nicht austauschbarer Token). Non-Fungible Tokens besitzen keinen bestimmten, sondern einen individuellen Wert. Tauscht man NFTs aus, erhält man somit in der Regel nicht denselben Wert, den man im Tausch weitergibt. Dies ist z. B. Vergleichbar mit einem Gemälde, das für jeden Kunstliebhaber einen eigenen, individuellen Wert besitzt.

Der Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien weist eine erhöhte Volatilität auf, d.h. die Anteilswerte sind auch innerhalb kurzer Zeiträume großen Schwankungen nach oben und nach unten ausgesetzt, wobei auch Kapitalverluste nicht ausgeschlossen werden können.