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Bekanntmachung

Die Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. gibt bekannt, dass die Auszahlung des Rückgabepreises folgender Investmentfonds ab 1. März 2022 vorübergehend unterbleibt: Raiffeisen-Russland-Aktien, Raiffeisen-Osteuropa-Aktien

22. Februar 2022Lesezeit: 5 min

Die Idee hinter nachhaltigen Investitionen

Ökologie ist nur eine Facette von Nachhaltigkeit. Der Begriff steht heute für ein umfassend verantwortungsvolles Handeln gegenüber Menschen, Umwelt und Wirtschaft. An den Finanzmärkten ist der Wandel hin zu nachweislich nachhaltigen Anlageprodukten längst im Gange.

Kaum ein Begriff wurde in den letzten Jahren so inflationär verwendet und kaum ein Themenfeld kommt ohne Bezugnahme darauf aus: Die Rede ist von Nachhaltigkeit, ein Terminus, der zum allerersten Mal bereits im frühen 18. Jahrhundert verwendet wurde. Es war der deutsche Rechtsgelehrte Hans Carl von Carlowitz, der im Bereich der Forstwirtschaft mahnte, dass man nicht mehr ernten solle, als in der Natur nachwachsen könne. Der Forstexperte legte damit den Grundstein für nachhaltiges Denken und Handeln, worunter rund 300 Jahre danach noch verstanden wird, dass auf die nachfolgenden Generationen Rücksicht genommen wird. So definierte der Brundtland-Bericht der Vereinten Nationen im Jahr 1987 nachhaltige Entwicklung als „eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“. Auch bei der Geldanlage wird Nachhaltigkeit immer mehr zum Thema: Genauso wie die Menschen heute wissen wollen, wo Lebensmittel, Kleidung oder Möbel herkommen und wie sie erzeugt werden, schauen sie darauf, wo ihr Geld hingeht und wie es wirkt.

Nachhaltigkeit: von vorne aufgezäumt

Im Laufe der Zeit ist der Nachhaltigkeitsgedanke zu einem Leitbild für ökologisches, politisches und wirtschaftliches Handeln geworden. Er umfasst nicht nur Themen wie den Umwelt- und Klimaschutz, sondern auch soziale Faktoren wie etwa die Einhaltung der Menschenrechte oder ökonomische Aspekte. Einer wirtschaftlich ausgerichteten Sichtweise folgend, bedeutet Nachhaltigkeit beispielsweise, nicht Gewinne zu erzielen, die dann in Umwelt- und Sozialprojekte fließen, sondern diese bereits umwelt- und sozialverträglich zu erwirtschaften. Nachhaltige Entwicklung soll in diesem Sinne nicht durch finanzielle Förderung unterstützt werden, sondern sich vielmehr selber finanzieren. Einer nachhaltigen Entwicklung ist somit nicht geholfen, wenn die Mittel für Investitionen auf eine Weise gewonnen wurden, die der umfassenden Grundidee widersprechen.

Eine Frage der Verantwortung

Der Begriff geht heute untrennbar mit jenem der Verantwortung einher. In der Unternehmenswelt weicht das kurzfristige Prinzip des Shareholder-Values, bei dem das Wohl der Anteilseigner im Fokus steht, zusehends dem langfristigen Ansatz des Stakeholder-Values. Wenn also Unternehmerinnen und Unternehmer auch Arbeitnehmende, Kundinnen und Kunden, die Öffentlichkeit und den Staat in ihre wirtschaftlichen Überlegungen miteinbeziehen, übernehmen sie soziale und politische Verantwortung. Das Wohl des Unternehmens soll auf lange Sicht sichergestellt werden, indem die Nachhaltigkeit des ökonomischen Erfolgs in den Mittelpunkt rückt. Verantwortungsvolles Handeln wird so zu einer zentralen unternehmerischen Aufgabe. Zum Ausdruck kommt dabei – vereinfacht gesagt – Verantwortung gegenüber Menschen, Umwelt und Wirtschaft.

Transformation an den Finanzmärkten

Kapital hat großen Einfluss auf die Entwicklung von Unternehmen. Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft steht für den Beitrag der Finanzmärkte zur Wandlung gesellschaftlicher, umweltbeeinflussender und wirtschaftlicher Faktoren zum Wohl der Erde und der Menschen (Wie wird Nachhaltigkeit gemessen?). Die Idee dahinter: Wenn Finanzmittel nachhaltiger eingesetzt werden, dann ändern sich unsere Wirtschaft, unsere Produktion und letztendlich auch unser Konsum. Je mehr Vermögen in nachhaltige Investments fließt, umso mehr Gewicht haben die Investorinnen und Investoren gegenüber den Unternehmensvertreterinnen und -vertretern. Die Investition in nachhaltig agierende Unternehmen führt auch dazu, dass für weniger nachhaltige oder gar schädliche Produkte und Dienstleistungen weniger Finanzmittel bleiben. Mit einem Investment in nachhaltige Fonds hat man nicht nur das Gefühl, renditeorientiert zu agieren, sondern parallel auch etwas zu bewirken. So kann man als Fondssparerin bzw. -sparer Wirkung erzielen (Gründe für mehr Nachhaltigkeit bei Investmentfonds).

Dass diese Transformation hin zur Nachhaltigkeit längst im Gange ist, lässt sich mit Daten dokumentieren. Laut dem Marktbericht 2021 des FNG (Forum Nachhaltige Geldanlagen) hat die Gesamtsumme der Geldanlagen, die in Österreich unter Berücksichtigung von strengen umweltbezogenen, sozialen und auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung bezogenen Kriterien angelegt sind, ein neues Rekordvolumen erreicht. Insbesondere nachhaltige Investmentfonds verzeichnen deutliche Zuflüsse. Berücksichtigt man die Kapitalanlagen, für die Nachhaltigkeitskriterien auf Unternehmensebene verankert sind, so hat sich zum 31.12.2020 eine Gesamtsumme von rund 114,2 Milliarden Euro für verantwortliche Investments in Österreich ergeben. Für die kommenden Jahre sind weitere jährliche Zuwachsraten von 20 bis 30 Prozent zu erwarten.

Die Einstufung als nachhaltig

Die Anbieter von nachhaltigen Finanzprodukten sind zunehmend darauf bedacht, ihre Auswahl nicht bloß nach dem Ausschlussprinzip zu treffen. Ein Nein zu unerwünschten Geschäftspraktiken, Produktionsprozessen oder Branchen gilt für sich alleine nicht mehr als ausreichend. Vielmehr nehmen Banken oder Fondsgesellschaften proaktiv jene Unternehmen in ihr Portfolio auf, die sich Nachhaltigkeitskriterien gezielt und nachweislich verschrieben und diese auch in ihre Geschäftsstrategie implementiert haben (Kriterien der Nachhaltigkeit – das integrative Nachhaltigkeitskonzept von Raiffeisen Capital Management). Die Chance auf Rendite bleibt dabei nicht ausgeklammert und stellt nach wie vor ein wesentliches Auswahlkriterium bei der Zusammenstellung nachhaltiger Investmentfonds dar. Trotzdem kann es in negativen Marktphasen zu Kapitalverlust kommen.

Nachhaltiges Investieren bedeutet im Idealszenario, Teil einer Lösung zu sein und Verantwortung zu übernehmen: für eine zukunftsfähige Entwicklung der Wirtschaft, für Bildung und Menschenrechte und für positiv lenkende Effekte auf viele andere gesellschaftliche Bereiche.

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