Diskriminierung der Frauen

Unter Diskriminierung versteht man jede Art einer ungerechtfertigten Benachteiligung oder Ungleichbehandlung von individuellen Personen oder Gruppen vor dem Hintergrund von wahrnehmbaren oder nicht unmittelbar wahrnehmbaren Merkmalen. Zu den wahrnehmbaren Merkmalen wird vor allem auch das Geschlecht gezählt. Die Gründe für die Diskriminierung der Frau sind vielfältig. Sie reichen von der Benachteiligung im Bereich der Bildung über Ungleichheiten bei der Einstellung neuer Arbeitskräfte bis zur Unterschätzung der Fähigkeiten weiblicher Mitarbeiter. Weitere Themen sind das Fehlen gesetzlicher Regelungen und Schutzmechanismen für Frauen und eine schlechte Gesundheitsversorgung sowie das Fehlen einer geeigneten Repräsentation der Frauen auf politischer Ebene.

Auf internationaler Ebene steht die Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frauen (CEDAW) als wichtiger Eckpfeiler zur Gleichberechtigung der Frau. Die CEDAW wurde am 18. Dezember 1979 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen angenommen. Dabei zählen der Kampf gegen verschiedenste Arten der Diskriminierung, wie im Bereich der Arbeit, im Sozialbereich, bezüglich Ehe und Familie, aber auch im Bereich Bildung und Ausbildung, neben der Beseitigung der Diskriminierung im politischen sowie öffentlichen Leben und die Gesundheit respektive der Schutz vor Gewalt zu den Hauptzielen. Was die Situation am Arbeitsplatz betrifft, so tritt eine Diskriminierung der Frau oft im Zusammenhang mit dem Familienstand oder dem Vorhandensein von Kindern auf. Auch sexuelle oder geschlechtsbezogene Belästigungen fallen unter den Begriff der Diskriminierung.

Diskriminierungserfahrungen von Frauen in Österreich sind sehr weit verbreitet. Gemäß einer von SORA für die Arbeiterkammer Wien 2018 durchgeführten Studie fühlten sich 46 % aller in der Studie erfassten Frauen in den drei Jahren zuvor wenigstens in einem Lebensbereich diskriminiert, davon in etwa ein Drittel explizit aufgrund ihres Geschlechts. Vor allem indirekte Diskriminierungen werden oft nicht als solche erkannt. Als Beispiel kann das Nichtvorhandensein von Führungspositionen für Teilzeitbeschäftigte gelten. (Lesen Sie auch: Warum braucht es Frauenquoten) Da es sich bei der Mehrheit der Teilzeitbeschäftigten um Frauen handelt, liegt hier eine indirekte Form der Diskriminierung vor.

Ein interessanter Aspekt des Themas Diskriminierung von Frauen ist die notwendige Differenzierung zwischen „realer Diskriminierung“ und „Diskriminierungserfahrungen“. Vor allem jüngere Frauen zeigen oft wenig Verständnis für sogenannte feministische Politik. Dahinter steckt oft die Tendenz, Erfolge und Misserfolge stärker individuell zu attribuieren, weil Selbstverantwortung und Selbstbestimmtheit in der Gesellschaft an Bedeutung gewinnen. Die Wahrnehmung von strukturell vorliegender Diskriminierung tritt daher in den Hintergrund, die Betroffenen sehen den Akt der Diskriminierung oft bloß als einzelnen Vorfall auf direkter zwischenmenschlicher Ebene.

Ohne Bildung keine Chancengleichheit

Besonders negativ wirkt sich Diskriminierung im Bildungsbereich auf das Leben von Frauen aus. Denn ohne Bildung ist es Frauen nicht möglich, eine Chancengleichheit der Geschlechter zu erreichen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen oder sich in gesellschaftliche Prozesse einzubringen. Je besser die Bildung und Ausbildung der Frau, desto mehr erhöhen sich die Chancen, eine attraktive und gut bezahlte Arbeit zu finden. Das Investment in die Ausbildung von Mädchen kann letztendlich Strukturen verändern helfen, auf lokaler und globaler Ebene. Die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes profitiert von der Bildung von Mädchen und Frauen.

Recht auf Bildung

Die beiden Entwicklungsziele Bildung und Gleichberechtigung stehen im Rahmen der Auflistung der 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung (der SDGs) in unmittelbarer Nachbarschaft. Es ist ein Faktum, dass das Recht auf Bildung in vielen Regionen der Welt weiterhin lediglich dem männlichen Teil der Bevölkerung vorbehalten ist. Schließlich wurde sogar im deutschsprachigen Raum Frauen der volle Zugang zu Universitäten erst Anfang des 20. Jahrhunderts gesetzlich ermöglicht.

Gender-Pay-Gap

Warum Frauen weniger verdienen …

Ein Ergebnis einiger bereits genannter Aspekte der Ungleichheit auf gesellschaftlicher Ebene ist die Existenz des sogenannten Gender-Pay-Gaps, des geschlechtsspezifischen Lohngefälles auf Unternehmensebene. Dabei gibt es verschiedene Faktoren, die als Erklärung für das Lohngefälle in Frage kommen, wie etwa die Arbeitsmarktsegregation. Für die Begründung des Gender-Pay-Gaps innerhalb von Unternehmen – insbesondere auf derselben Lohnebene – sind andere Faktoren wie Diskriminierung oder auch Teilzeitarbeit mögliche Ansatzpunkte. Die zuletzt generell vermehrte Möglichkeit von Teilzeitangeboten in Unternehmen wird öfter von Frauen als von Männern genutzt.

  • EU-weit arbeiten etwa 30 % der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit,

  • während 92 % der erwerbstätigen Männer Vollzeit arbeiten.
    (Europäisches Parlament, 2020)

Trotz all dieser Erklärungsansätze für den Gender-Pay-Gap resultiert die geringere Bezahlung oft aus einer Geringschätzung der weiblichen Arbeitskraft. Wenn also bei gleicher Qualifikation und derselben Arbeitsqualität ein Mann mehr verdient als eine Frau, handelt es sich um Diskriminierung, und diese ist mitverantwortlich für das geschlechtsspezifische Lohngefälle.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Ungleichbehandlung von Frauen ist die Behandlung von produktiver und reproduktiver Arbeit. Die sogenannte Reproduktionsarbeit – also das Großziehen und Erziehen von Kindern – ist sowohl zur Erhaltung der Gesellschaft als auch der Arbeitskraft notwendig und wird traditionell von Frauen verrichtet. Trotz der Tatsache, dass diese Tätigkeit als „Arbeit“ bezeichnet wird, gibt es keine Modelle, um diese zu entlohnen. Frauen werden sozusagen mit den Aufgaben von Assistentinnen, Pflegerinnen und Hausfrauen betraut. In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich die Organisation der Reproduktionsarbeit insofern verändert, als viele Frauen erwerbstätigen Arbeiten nachgehen und sich dadurch die Reproduktionsarbeit oft in bezahlte Tätigkeiten verschoben hat, wie in den Bereichen Kinderbetreuung, Haushaltshilfen und Altenbetreuung. Die genannten Tätigkeiten werden zum Großteil von Frauen verrichtet und sind oft schlechter bezahlt als Berufsgruppen, in denen zahlenmäßig Männer dominieren. Trotz bezahlter Arbeit sind Frauen oft doppelt belastet, da sie sich häufig trotzdem um Kinder, den Haushalt und ältere Personen kümmern. Reproduktive Arbeit wertschätzen und Benachteiligung aufheben kann auf Arbeitgeberseite bedeuten, kostenlose Kindertagesstätten anzubieten oder höhere Gehälter bei Teilzeitanstellungen von Personen, die reproduktive Arbeit leisten, zu zahlen.

… und warum Frauen aber mehr bezahlen

Unter einer „Pink Tax“ oder „Rosa Steuer“ versteht man den Aufpreis für speziell auf den weiblichen Konsumenten abzielende Angebote an Produkten und Dienstleistungen gegenüber gleichwertigen Erzeugnissen für männliche Konsumenten. Speziell viele Produkte des täglichen Bedarfs wie Pflegeartikel werden geschlechtsspezifisch vermarktet. Im Zusammenhang mit der Pink Tax kann die Vermarktung als Produkt oder Dienstleistung für Frauen oder Mädchen durch den Produktnamen selbst, spezielle Attribute wie „für die Frau“, die Verpackung oder auch durch die Platzierungen in Shops oder auf Internetplattformen unterstützt werden. Bei der Verpackung spielen Farbe, Form oder auch Bildgestaltung eine wesentliche Rolle.

Im Dienstleistungssektor sind die Preise in Frisiersalons und Textilreinigungen gute Beispiele für eine Pink Tax. Für ein völlig gleichwertiges Service beim Friseur – mit Waschen, Schneiden und Trocknen im Zusammenhang mit einem Kurzhaarschnitt – liegt der Preis für Frauen im Schnitt um 11 Euro höher als bei einem Mann. (Schönpflug/Eberhardt 2019)

Ein Grund für das Entstehen der Pink Tax ist die geringere Preissensibilität von Frauen, wenn es um Ausgaben für ihr äußeres Erscheinungsbild geht. Beispiele für Produktkategorien mit einem stark ausgeprägten Preisaufschlag zu Ungunsten der Konsumentinnen sind Rasierprodukte und Parfums. Das Ausmaß der Preisunterschiede ist meist auch auf Basis geringfügig unterschiedlicher Rezepturen und Inhaltsstoffe nicht zu rechtfertigen. Die Existenz und das Ausmaß der Pink Tax hat sowohl die legistische Seite auf den Plan gerufen als auch zu einer Vielzahl von öffentlichen Stellungnahmen in der Medienwelt geführt.

Abschließend kann gesagt werden, dass sich die beschriebenen, eindeutigen Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen auf verschiedenste Lebensbereiche beziehen. In manchen Bereichen existieren bereits Ansätze, die ein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern herstellen sollen – diese, wie die Regulation für Aufsichtsräte oder das Gleichbehandlungsgesetz, wurden in der Vergangenheit allerdings oft nur sehr zögerlich umgesetzt oder teilweise sogar ignoriert. In letzter Zeit scheint das Bewusstsein für die Problematik der Benachteiligung der Frau aber stetig zu wachsen und den ihm zustehenden Platz in der Diskussion von Gerechtigkeit im weiteren Sinn gefunden zu haben.

Mag. Wolfgang Pinner
Leiter Corporate Responsibility Raiffeisen Kapitalanlage GmbH

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