Am Thema der Sicherung einer lebenswerten Zukunft kommt auch die Finanzbranche nicht mehr vorbei. Der wachsende Anspruch von Anlegerinnen und Anlegern, ihr Kapital nicht nur gewinnbringend, sondern auch verantwortungsvoll zu investieren, hat in den letzten Jahren zu einem Boom beim Angebot an nachhaltigen Anlageformen geführt (Was bedeutet nachhaltig investieren?). Wie sehr nachhaltige Investments im Trend liegen, dokumentiert etwa der Marktbericht 2022 des FNG (Forum Nachhaltige Geldanlagen). Nach einem erneut deutlichen Wachstum der Nachhaltigen Geldanlagen um 61 Prozent wurde in Österreich zum Stichtag 31.12.2021 knapp jeder dritte Euro nachhaltig angelegt. Das Gesamtvolumen in Höhe von 63 Milliarden Euro markiert gleichzeitig einen historischen Höchstwert für das unter Berücksichtigung von umweltbezogenen, sozialen und auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung bezogenen Kriterien verwaltete Vermögen. Insbesondere Privatanlegerinnen und Privatanleger legten nochmals deutlich mehr Kapital in nachhaltige Anlageprodukten an: ihre Nachhaltigen Geldanlagen stiegen um 164 Prozent auf 31,70 Milliarden Euro. Berücksichtigt man zusätzlich die Kapitalanlagen, für die Nachhaltigkeitskriterien auf Unternehmensebene verankert sind, ergibt sich zum 31.12.2021 eine Gesamtsumme von 134,14 Milliarden Euro für verantwortliche Investments in Österreich.

Von der Nische in den Mainstream

Aber ist wirklich überall Nachhaltigkeit drinnen, wo Nachhaltigkeit draufsteht? Wie können Sie als Anlegerin bzw. Anleger sichergehen, dass Ihr Geld tatsächlich verantwortungsvolle Wege geht? Fondsgesellschaften beantworten diese Frage folgendermaßen: mit einer klaren Transparenz der Auswahl- bzw. Anlageprozesse und durch eine Zertifizierung mit etablierten nationalen und internationalen Gütesiegeln. Letztere dienen als Kennzeichen dafür, dass nachhaltige Investments tatsächlich klimagerecht sind und hohen sozialen Standards entsprechen. In Österreich trugen im Jahr 2020 insgesamt 87 der 133 im FNG erfassten nachhaltigen Fonds ein Qualitätssiegel – also rund 65 Prozent. Auf welche Gütesiegel gilt es dabei hierzulande zu achten? Wir stellen Ihnen die wichtigsten vor.

Fokus auf Nachvollziehbarkeit: nachhaltige Gütesiegel und Transparenz

  • Eines der international ersten Label für Nachhaltigkeitsfonds war und ist das 2004 ins Leben gerufene Österreichische Umweltzeichen für Nachhaltige Finanzprodukte. Als Träger fungiert das Österreichische Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, verantwortlich für die Administration ist der VKI (Verein für Konsumenteninformation). Für die Prüfung sind akkreditierte Expertinnen und Experten zuständig, die die Prüfgutachten im Auftrag der jeweiligen Antragsteller – zumeist Fondsgesellschaften – erstellen. Die Kriterien für das Umweltzeichen definieren über alle Produktgruppen hinweg verschiedene Dos and Don’ts. Zum einen regeln Ausschlusskriterien, welche Investments nicht getätigt werden dürfen (z. B. im Bereich fossiler Energien, Atomkraft, Gentechnik oder Rüstung). Zum anderen muss es Auswahlprozesse geben, um Unternehmen, Staaten oder Projekte zu identifizieren, die tatsächlich positive Leistungen für Umwelt und Soziales bringen. Anlegerinnen und Anlegern muss zudem ein klares Bild des sozialökologischen Konzepts des nachhaltigen Finanzprodukts ihres Vertrauens geboten werden. Die rasante Entwicklung des ESG-Markts (ESG: drei Buchstaben, ein Nachhaltigkeitsansatz) lässt sich auch anhand des Österreichischen Umweltzeichens zeigen: Dauerte es von der Lancierung im Jahr 2004 vierzehn Jahre, bis der hundertste Fonds das Siegel erhielt, so hat es für die Verdoppelung dieser Zahl nur noch drei Jahre gebraucht. Im August 2021 wurde das zweihundertste Produkt ausgezeichnet.

  • Eine andere Nachhaltigkeitszertifizierung, die in Österreich bereits seit vielen Jahren große Beliebtheit genießt, ist das FNG-Siegel. Der Qualitätsstandard für nachhaltige Investmentfonds im deutschsprachigen Raum kam 2015 nach einem dreijährigen Entwicklungsprozess unter Einbeziehung maßgeblicher Stakeholder auf den Markt. Die ganzheitliche Methodik des FNG-Siegels basiert zunächst auf einem Mindeststandard. Dazu zählen Transparenzkriterien und die Berücksichtigung von Arbeits- und Menschenrechten, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung, wie sie im weltweit anerkannten UN Global Compact zusammengefasst sind. Tabu sind Investitionen in Atomkraft, Kohlebergbau, bedeutsame Kohleverstromung, Fracking, Ölsande sowie Waffen und Rüstung. Hochwertige Nachhaltigkeitsfonds, die in den Bereichen „institutionelle Glaubwürdigkeit“, „Produktstandards“ und „Portfolio-Fokus“ (Titelauswahl, Engagement und KPIs) besonders hervorstechen, erhalten bis zu drei Sterne.

  • Im Zeichen der transparenten Information steht das 2008 von EUROSIF (European Sustainable Investment Forum) eingeführte Europäische Transparenzlogo für Nachhaltigkeitsfonds. Der zugrunde liegende Transparenzkodex beruht auf dem Prinzip, dass dessen Unterzeichnerinnen und Unterzeichner offen und ehrlich agieren und exakte, angemessene und aktuelle Informationen veröffentlichen, um den Anlegerinnen und Anlegern, der Öffentlichkeit und weiteren Stakeholdern eine detaillierte Einsicht in die Nachhaltigkeitsstrategie eines Fonds zu gewähren. Im Jahr 2018 wurde der Transparenzkodex aktualisiert, um die wichtigsten Praktiken im Bereich nachhaltiger und verantwortungsbewusster Investitionen und nachhaltiger Finanzen zu berücksichtigen. Dass man sich bei EUROSIF dem dynamischen Wandel des Nachhaltigkeitsbegriffs verpflichtet fühlt, zeigt eine aktuelle Umfrage. So wurden vom 26. Januar bis zum 2. März 2022 alle Finanzinstitute, die den Transparenzkodex anwenden, dazu eingeladen, an einer Online-Umfrage teilzunehmen. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie die Finanzmarktteilnehmerinnen und -teilnehmer den Transparenzkodex nutzen, wie der Kodex mit anderen neueren Offenlegungsanforderungen auf EU-Ebene interagiert und wie er sich in Zukunft weiterentwickeln sollte.

  • Eine weitere Zertifizierung stellt das seit 2017 durch yourSRI vergebene Siegel yourSRI Transparent dar. yourSRI.com ist eine internationale Online-Plattform, die u. a. einen Zugriff auf den ESG- & CO2-Fußabdruck ermöglicht. Ziel der Fondsratings von yourSRI ist es, mehr Transparenz auf Fondsebene zu schaffen. Anlegerinnen und Anleger sollen dabei unterstützt werden, besser zu verstehen, wie die einem Investmentfonds zugrunde liegenden Unternehmen ihre Umwelt- sowie Sozial- und Governance-Risiken steuern. Laut eigenen Angaben analysiert die Plattform täglich mehr als 15.000 Milliarden Euro an Fondsvermögen und damit 97 Prozent des gesamten verwalteten Vermögens von Fonds und ETFs, die auf den großen europäischen Märkten gelistet sind.