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Kapitalmarktkommentar von Karin Kunrath, Chief Investment Officer der Raiffeisen KAG

In all den Krisen der letzten Jahre hat sich gezeigt, dass die Resilienz zugenommen hat und die abgeklärten Marktteilnehmer bereit sind, auf eine Besserung der Lage in absehbarer Zeit zu setzen und durch die jeweiligen Turbulenzen durchzusehen, sobald sich eine Krise stabilisiert hat und nicht weiter eskaliert. Die erhoffte Besserung ist in der Vergangenheit auch immer gekommen.

Wenn man etwa zurückdenkt, dass im März 2020 inmitten der Corona-Krise zunächst Impfungen erst in einem Zeithorizont von 12-18 Monaten erwartet wurden, während tatsächlich bereits ab Dezember desselben Jahres effektive Impfstoffe zur Verfügung standen. Als im Februar 2022 mit dem Kriegsausbruch in der Ukraine eine globale Energie- und Inflationskrise folgte und restriktive Schritte der Notenbanken die Konjunktur zusätzlich bremsten, ist viel von Rezession geschrieben worden, und vereinzelt hat es diese auch gegeben. Jedoch nicht bei den Unternehmensgewinnen, die sich – jedenfalls in den USA – nur marginal abgeschwächt haben.

Nach dem Liberation Day Anfang April 2025 mit der Ankündigung völlig unrealistischer und für den Welthandel schädlicher US-Zölle, haben in der Folge bilaterale Verhandlungen konkrete Zollvereinbarungen auf verträglichen Niveaus hervorgebracht. Auch infolge der aktuellen Krise am Persischen Golf haben sich die Wachstumsprognosen eingetrübt, doch wieder zeigt sich der Kapitalmarkt bemerkenswert resilient, zumal es Anzeichen für Deeskalation und die Aussicht auf eine wie immer geartete Verhandlungslösung gibt.

Die Weltwirtschaft hat sich vor dem Krieg in der Golfregion in einem guten Zustand befunden, die Abhängigkeit vom Erdöl hat über die letzten Jahrzehnte stark abgenommen, und die Unternehmensgewinne sind von (US-)Firmen dominiert, die von der allgemeinen Konjunkturlage weitgehend unabhängig sind. Auch das Phänomen der „K-shaped economy“ dürfte der Prognose nach die US-Wirtschaft so weit im positiven Terrain halten, dass auch temporär höhere Sprit- und Lebenshaltungskosten zwar das allgemeine Konsumklima empfindlich treffen, aber dennoch ein Wachstum insbesondere aufgrund der enormen AI-Investitionen erhalten bleibt. Im Rahmen der taktischen Asset Allocation werden insbesondere aufgrund der robusten Unternehmensgewinne Aktien wieder übergewichtet.

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