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Interview mit Fondsmanager Bernd Kiegler zum Raiffeisen-HighTech-ESG-Aktien

"Eintrittsbarrieren sind eines der wichtigsten Kriterien bei meinen Investmententscheidungen."

Wie würden Sie die Philosophie des Raiffeisen-HighTech-ESG-Aktien bzw. Ihr Erfolgsrezept beschreiben?

Bernd Kiegler: Ich bevorzuge Investments in bahnbrechende, disruptive Technologien und Geschäftsmodelle, die ein anhaltendes Potenzial für hohes Umsatz- und Gewinnwachstum eröffnen. Dabei ist für mich neben den finanziellen und wirtschaftlichen Kennzahlen ein ganz entscheidender Punkt, ob die jeweiligen Unternehmen eine dauerhaft starke Marktposition erlangen bzw. behaupten können. Dies wiederum ist umso wahrscheinlicher, je höher und dauerhafter die Eintrittsbarrieren für etwaige Konkurrenten sind. Eintrittsbarrieren sind daher eines der wichtigsten Kriterien bei meinen Investmententscheidungen.

Können Sie das an einem Beispiel veranschaulichen?

Gern. Das niederländische Unternehmen ASML hält beispielsweise ein weltweites Monopol auf die Herstellung von EUV-Lithografiesystemen, die zwingend erforderlich sind, um die fortschrittlichsten Mikrochips der Welt zu produzieren. Eine einzige EUV-Maschine besteht aus über 100.000 Komponenten von mehr als 5.000 Zulieferern. Die Entwicklung dieser Technologie dauerte über 30 Jahre und verschlang Milliarden an Forschungsgeldern. ASML kontrolliert zugleich ein einzigartiges Ökosystem an hochspezialisierten Zulieferern, die exklusiv für ASML arbeiten. Ein Konkurrent müsste nicht nur die Technologie entwickeln, sondern auch eine solche Kette neu aufbauen. Und auch dann fehlt ihm noch die jahrzehntelange Erfahrung in der Kalibrierung und Wartung dieser Präzisionsgeräte. Das ist ein Extrembeispiel für Eintrittsbarrieren im Technologiebereich. Aber völlig unüberwindbar und für die Ewigkeit gemacht sind wahrscheinlich keine, nicht einmal in diesem Fall.

Das bedeutet, Sie beobachten auch fortwährend, ob diese Eintrittsbarrieren noch bestehen?

Ja, das ist unverzichtbar. Wenn ich sage, dass ich gern in Technologien investiere, die alte Geschäftsmodelle und Produkte obsolet machen, dann zerstören diese disruptiven Technologien oftmals ja auch bestehende Eintrittsbarrieren anderer Unternehmen. Sich mit diesen Fragen fortwährend zu beschäftigen, hat daher den Vorteil, dass man dabei einerseits neue Investmentkandidat:innen findet und gleichzeitig bestehende Investments intensiv hinterfragt.

Raiffeisen-HighTech-ESG-Aktien

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Da drängt sich eine Frage zum Thema „Künstliche Intelligenz“ und deren Auswirkung auf viele Unternehmen auch in der Technologiebranche geradezu auf?

Völlig richtig. Die Entwicklungen im Bereich KI eröffnen enormes Potenzial für Disruptionen in fast allen Branchen und sie bedrohen auch Geschäftsmodelle, die vor wenigen Jahren noch als fast unantastbar und zukunftsweisend galten. Es ist zum Beispiel noch gar nicht so lange her, da meinten viele, dass Software alles verschlingen könnte. Das war zwar übertrieben, enthielt aber einen wahren Kern. Man denke an Amazon und den Buchhandel, AirBnB und Hotels, Spotify und iTunes und das klassische Musikgeschäft. Heute kann man hingegen überall lesen, dass künstliche Intelligenz die Softwarebranche „fressen“ könnte.

Was hat zuletzt zu Kurseinbrüchen bei Aktien vieler Softwareunternehmen geführt? Wie reagierten Sie darauf?

Prinzipiell agiere ich natürlich lieber als zu reagieren. In diesem Falle kann ich sagen, dass ich die Risiken bereits vor mehreren Jahren gesehen und Softwareaktien im Fondsportfolio schrittweise abgebaut habe. Der Raiffeisen-HighTech-ESG-Aktien blieb daher vom rasanten Kursverfall im Softwarebereich in den vergangenen Monaten fast vollständig verschont.

Warum haben andere offenbar erst sehr spät gesehen, was Sie schon sehr viel früher erkannt haben?

Da ich die Analyse- und Entscheidungsprozesse der Mitbewerber nicht im Detail kenne, müssten Sie diese Frage anderen stellen. Aber was mich betrifft, betrachte ich die Analysen von möglichen Disruptionen und von Eintrittsbarrieren sowohl als Wissenschaft als auch als Kunst. Einerseits erfordert es sehr gute Branchenkenntnisse, ein tiefes Verständnis von Produkten und Geschäftsmodellen und natürlich auch die Analyse von finanziellen Kennzahlen. Aber zusätzlich braucht es auch Vorstellungskraft und Intuition. Letzteres ist etwas, das übrigens auch die KI so bald nicht wird ersetzen können, auch wenn sie inzwischen sehr hilfreich beim „wissenschaftlichen“ Teil ist.

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